Flitterwochen in Mexiko

Flitterwochen in Mexiko

Es ist schon witzig, wie schwer wir uns manchmal mit Entscheidungen tun. Bei mir war das besonders in Restaurants immer der Fall. Ich kann mich nie entscheiden, welches unter mir befindliche Glied der Nahrungskette ich denn heute verspeisen soll.

Besonders in Erinnerung geblieben und gerne bei jeder Familienfeier wieder herausgekramt, wird dabei eine Geschichte aus einem Fischrestaurant im brandenburgischen Beeskow. Der zwar erst etwa siebenjährige, aber schon wie 12 aussehende und wie zwei 16-Jährige essende, “kleine Willy” bekommt einen Tobsuchtsanfall, da er sich nicht entscheiden kann, welcher Flussbewohner heute auf den Teller kommen soll. Am Ende erbarmte sich dann die mitleidige Mutter dazu, eine Fischplatte für 2 Personen zu bestellen. Ich sehe heute noch, wie der Beistelltisch herangekarrt wurde, um den Unmengen an Zander, Wels und Co. gebührend Platz zu verschaffen. Ein Festmahl und ein absolut stimmiges Gesamtpaket.

Vegas Baby!

Ein stimmiges Gesamtpaket habe ich auch in Rose gefunden. Nicht nur, dass wir beide, trotzdem wir dafür eigentlich schon viel zu alt sind, jedes Mal einen schmutzigen Witz machen, wenn wir Wörter wie “Paket” hören. Wir haben uns auch in drei Monaten des Zusammenlebens noch nie gestritten (und das heißt bei einem Hitzkopf wie mir eine Menge) und sind auch sonst eigentlich immer auf einer Wellenlänge, haben erstaunlich viele gemeinsame Interessen und Vorstellungen.

Als es Mitte Oktober für uns beide nach Utah ging, witzelten wir schon herum, dass wir ja Mormonen werden könnten und Rose dann zwei oder drei “Schwesterfrauen” haben könnte (dort wirklich gängige Praxis). Dazu müsste man natürlich heiraten.

Als wir auf dem Rückweg in Las Vegas haltmachten und uns in den Casinos mit selbst mitgebrachten Dosenbieren etwas Mut antranken, fanden wir, dass heiraten ja eigentlich wirklich Sinn machen würde. So könnte Rose nach Deutschland ziehen, sobald der achtjährige im Körper eines alten Mannes mit hochrotem Gesicht und orangenen Haar wieder ins Oval Office einzieht. Ich wiederum kann in den Everglades Schnappschildkröten jagen, wenn Putin oberkörperfrei auf einem Bären durch das Brandenburger Tor reitet.

Wir beschlossen also, in Las Vegas zu heiraten! Die Entscheidung fiel mir leichter als damals, in jenem Restaurant an der Spree.

Jackpot!

Plan B, C und D

Was sie euch in Filmen wie Hangover allerdings verschweigen… trotzdem es stimmt, dass in Nevada sehr lasche Regularien zur Eheschließung vorherrschen, kann man nicht einfach nur zu Elvis in die Kapelle gehen, sondern muss sich vorher zumindest eine Genehmigung beim Heiratsamt abholen. Dieses schließt jedoch um Mitternacht. Das haben wir also knapp verpasst.

Im Weltraum hätte es vielleicht noch geklappt mit der Spontanhochzeit.

Versuch Nummer 2 war dann eigentlich auch ganz gut. Andrew, ein Kumpel von Rose, der schon eine Lizenz hat, Leute zu verheiraten, wollte uns irgendwo auf einem Berg mit Blick auf den Mono Lake vermählen.

Allerdings wollte Rose dann doch ihre Familie dabeihaben. Das führte zu erheblichen Einschränkungen, was den Berg angeht. Aber draußen sollte es stattfinden. Nun ja, alles nahm langsam Gestalt an und wir planten die Sache so gut, wie man eben in einer knappen Woche so eine Hochzeit planen kann. Mein zukünftiger Schwager besorgte Steaks, bei deren Anblick mittels Videochat ich die Prioritätenliste für den Tag innerlich noch einmal überarbeiten musste.

So eine Hochzeit ist auch gut um die ganzen im Sommer gefangenen Fische unter die Leute zu bringen.

Rose erzählte mir immer wieder von Bukett, betonte aber, dass es sich dabei um Blumen und nicht um die Hochzeitsnacht (vgl. Bukkake) handeln würde, und ich versuchte herauszufinden, welche meiner wenigen Hosen die geringste Anzahl von Löchern aufwies.

Aber auch dieser Plan konnte nicht in die Tat umgesetzt werden. Der Winter machte da einen Strich durch die Rechnung. Am Abend unserer vermeintlichen Hochzeit fing es an zu schneien und es hörte lange nicht auf. Da Rose Familie auf der anderen Seite der Sierra Nevada wohnt, wären sie zwar vielleicht hin-, aber bestimmt nicht mehr zurückgekommen.

Sieht schön aus, war aber eher unpraktisch

Kurzerhand verschoben wir die Zeremonie also noch einmal um eine Woche. Zum Glück konnte sich mein Schwager Ben Kraft eines zweiminütigen Online-Kurses, bei dem man eigentlich nur seinen Namen richtig schreiben und ein paar Haken setzen muss, ganz einfach zum konfessionslosen Prister weihen lassen.

Ein bisschen Chaos …

… gehört natürlich auch dazu. Die Hochzeit sollte dann bei Rose Vater im Garten stattfinden, an einem Montag. Da wir am Samstag auf dem Weg dahin nochmal kurz in Reno haltmachten, um uns eine Stand-up-Comedy-Show von einem ihrer Kumpels anzugucken, kamen wir erst früh um zwei am Sonntag an und schliefen ordentlich aus.

Da die bucklige Verwandtschaft aus der Heimat via Livestream zugeschaltet werden sollte, war der Plan, alles am Montag zur Mittagszeit stattfinden zu lassen. Das hatte sich bei der Familie meiner Braut dann aber etwas falsch eingeprägt. Ich wunderte mich bereits und war schon etwas beängstigt, dass wir vielleicht doch entfernt verwandt sind, als an einem Sonntagmorgen Whisky und Sekt auf dem Frühstückstisch standen. Auch Rose Schwester Elyse sah komischerweise so aus, als ob sie gleich vor Aufregung explodieren würde. Was soll das erst morgen werden, dachte ich mir.

Als uns dann eine ihrer Nichten einen schönen Hochzeitstag wünschte, wurden wir doch etwas stutzig und erkannten, warum alle so aufgeregt waren. Die Hochzeit ist erst morgen Leute!

Rose Familie hieß mich sofort willkommen.

Diese verlief dann ganz nach Plan, nämlich ohne großen Plan. Mit fantastischen Steaks, Omas Kartoffelsalat und feinstem Scotch. Dazu gab es Schneeballschlachten und beste Gesellschaft, Lagerfeuer und Musik. Und Hash-Brownies.

Frisch verheiratet.

Als dann auch der Köter eine Schleife um den Hals gebunden bekommen hat, war ich offiziell der am schlechtesten gekleidete Anwesende an diesem Tag. Neben der geborgten Hose und der Jacke von der Heilsarmee, zierte meinen Körper ein Shirt aus der ehemaligen Stammkneipe von Rose Vater, wo Jesus mit einem Baseballschläger zu sehen ist.

Die große Party findet dann im Sommer 2024 in Deutschland statt. Haltet euch den Termin frei!

Da dürften wir dann auch in Deutschland offiziell verheiratet sein. Die akzeptieren da nämlich so eine Spontanhochzeit nicht ohne weiteres und es bedarf ein paar bürokratischer Hürden um diese dann auch hierzulande anerkennen zu lassen. Hätten wir das gewusst, hätte uns der zwei Häuser weiter wohnende Chuck Norris verheiraten können. Der hat bestimmt automatisch die Lizenz dazu, in jedem Land.

Mexiko

Flitterwochen machen wir ja eh schon seit drei Monaten, aber jetzt auch im Ausland. Bevor ich mit dem Fahrrad weiterfahre, verbrachten wir nochmal eine schöne Woche gemeinsam zwischen Kakteen und einsamen Ständen. Unser Reiseziel war die Baja California. Diesen wundervollen Fleck Erde werde ich demnächst noch einmal genauer vorstellen. Nur auf einen Ort möchte ich noch ein bisschen genauer eingehen.

In der Nähe von San Quintín lebt sehr abgelegen Felipe. Dieser hat hier eine Farm, wo von ihm “gerettete” Tiere leben, u. a. Pferde, Straßenhunde und Katzen. Hier hat er neben Zeltplätzen auch einen alten, umgebauten Bus stehen, den er in ein Ferienhaus verwandelt hat. Für 25$ die Nacht kann man hier übernachten und bekommt nicht nur ein wunderschönes Haus, sondern auch einen abgelegenen Traumstrand, pinke Salzseen, sowie die besten Tipps für die Umgebung. Damit die großen Buchungsplattformen nicht das ganze Geld bekommen, hier seine WhatsApp Nummer: +52 616 104 7858

Nach kurzen aber erlebnisreichen Flitterwochen verabschiedeten wir uns vorerst voneinander. Aber das Heiraten hat sich schon jetzt gelohnt. Meine Frau hat mich nämlich davor bewahrt, einen selbst gefangenen Kugelfisch auf den Grill zu packen. Das hätte böse enden können.

 

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